Freitag, 13. Februar 2009

Bittendes Kind

Liebster Henker,

ich widerspreche Dir in keinem Punkt und gebe doch lieber der Lise recht, die mich in meinem unpräzisen Reden besser verstand. Natürlich meine ich das unmöglich Erscheinende. Bin ich Romantiker?

Mit Welterweiterung ziele ich sehr wohl auf die Erweiterung der Welt, die ist. Allerdings unter der Voraussetzung, dass dieserlei Welt Stangenware ist, d.h. so vielfach existiert wie Menschen. Jedes Individuum lebt in seiner Welt, die ist. Und diese jeweilige Welt, so meine ich, ließe sich durch Kunst in mannigfache Richtungen erweitern (schön, wenn dabei Schnittmengen entstehen).

Ebenso leicht ist der "Rahmen des Möglichen" zu erklären, der ja nichts anderes ist als die Summe sämtlicher individueller Welten, die sind. Mithin das individuell nicht (durch Kunst aber immerhin besser) fassbare Ganze menschlicher Erkenntnis.

Ja, ich denke schon, dass Kunst auch ein Ausloten des unmöglich Erscheinenden innerhalb des Möglichen sein kann. Ist das per se ein romantischer Ansatz?

Liebster Henker, wie Du merkst, bin ich dank der Wucht Deines Beilhiebes ein wenig kopflos. Daher breche ich meine unschlüssige Argumentation an dieser Stelle ab, nicht ohne folgendes zu bedenken zu geben: a) den Unterschied zwischen Kunst und Kunstfertigkeit/Kunsthandwerk, b) die anscheinende Unmöglichkeit, einen Kunstbegriff zu definieren, der neben sich nicht andere, gleichwertige zuließe.

Guten Abend, M.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Mhuaaa-äh?

Sanfte Grüße, würdiger Fleischbruder,

denn Deine Worte sind von entzückend dunkler Bedeutsamkeit, fernab von den widerlich hellen Strahlen sterblicher Erkenntnisse. "Kunst ist Welterweiterung kraft der Denkbarkeit des Unmöglichen im Rahmen des Möglichen." Nun, das zieht den fragenden Geist hinab in die Tiefen folgender Problemsphären:

1. WELTERWEITERUNG - welche Welt meinst Du? Die-Welt-Die-Ist ja wohl nicht, denn die wird von wie auch immer gearteter Kunst nicht erweitert. Die-Welt-Die-Ist ist ja a priori die Welt des Seins und des Möglichen und schließt das Unmögliche aus.

2. DAS (oder zugespitzt ALLES) UNMÖGLICHE ABER DENKBARE - es gehört zwar in die Sphäre menschlichen Bewusstseins, also zu uns, aber vor allen Realitätsprüfungen. Wenn Du Kunst also über das UNMÖGLICHE ABER DENKBARE definierst, postulierst Du für die Kunst eine außerweltliche (außerhalb Der-Welt-Die-Ist) Qualität als inhärentes Wesensmerkmal, eine Teleologie auf eine blaue Blume hin. Und: das Unmögliche und das Transzendente sind nicht wesensgleich! Über seine erfahrbare Wirklichkeit hinauszugehen, heißt, sie zuerst zu akzeptieren und zu verinnerlichen. Das Unmögliche hingegen entstammt unserer Phantasie bzw. wo es mit unseren Wünschen identisch ist unserer (infantilen) Allmachtsphantasie.

3. Der RAHMEN DES MÖGLICHEN - wenn Du diesen als Abschlussgröße, als Grenzwert jeder künstlerischen Ausformung benennst, wird Kunst nach den ersten Annahmen zur Summe der Diskrepanz zwischen Wollen und Können. Diese Definition von Kunst muss zwangsweise in der romantischen Ironie verenden, deren Hauptmerkmal ja eben diese Diskrepanz ist. Damit wird Kunst aber zum resignativen Produkt der Haderer mit der Welt, die letztendlich den Rahmen ihrer eigenen Lebenswirklichkeit nie zu überschreiten (zu transzendieren) vermögen, außer in eben diesem Scheitern. Mit einem Wort: Romantiker.

Werter M., Du bist mir lieb, die Romantiker aber nicht. Kurz gesagt, ich glaube nicht, dass Deine Definition von Kunst stimmt. Im folgenden will ich gern versuchen, mich meinerseits dem Wesen der Kunst anzunähern. Bitte verzeih mir, wenn ich es nicht in einem kurzen Satz versuche, sondern über drei Thesen. (Ich liebe Dreisätze, wie Du ja weißt.) Also:

1. Kunst ist ihrem Wesen nach schöpferische Arbeit reflexiver Art, sie formt also Bezug nehmend Neues aus Altem.
2. Kunst verweist stets auf bewusste und unbewusste Ansichten und Absichten des Künstlers und verarbeitet diese auf verschiedene Weise (Mimetik, Verfremdung, Transzendenz, Agitation, usw.).
3. Kunst weist über die Ansichten und Absichten des Künstlers hinaus und ist immer auch ein Ausdruck des Zeitlosen und Immergleichen im immer neuen zeitspezifischen Gewand.

Kommentar: Kunst ist demnach insofern originell, als dass sie auf der Tätigkeit (Arbeit) Einzelner beruht und diese Tätigkeit Neues hervorbringt. Dieses Neue ist seiner konkreten, individuellen Ausformung nach originär, nicht aber im leeren Raum entstanden und nicht von der Tätigkeit und dem Wesen des Künstlers zu trennen. Die Tätigkeit des Künstlers findet in den realen Bedingungen seiner Lebenswelt statt und nimmt auf diese bewusst und unbewusst Bezug. Künstlerisch ist seine Tätigkeit dann, wenn das Produkt seiner Tätigkeit, die Kunst also, über seine individuellen und zeitspezifischen Absichten hinaus reflexiv den Bezug zum Überindividuellen, Zeitlosen und Transzendenten herstellt. Kunst ist mithin die Darstellung des Tatsächlichen und des ihm innewohnenden Möglichen.

So!

Liebe Grüße

Der UntoR
Nachtrag: Oder meintest Du etwa, wie die Lise K. mir suggerierte, mit dem "Unmöglichen" etwa das UNMÖGLICH SCHEINENDE und ich tat Dir unrecht, indem ich Dich an einem falsch verstandenen Begriff erhenkte?!? Dass Mögliche, aber (noch) unmöglich Scheinende ist für mich natürlich auch ein zentraler Acker der Kunst, wenngleich nicht der einzige. Dass Kunst Vorhandenes und seine Bedeutung hinterfragen und neue Blickwinkel auf Bestehendes ermöglichen soll, ist ja, wie Du Dich vielleicht erinnerst, eine meiner frühesten Auffassungen überhaupt. Nochmals So! Antworte, wenn Du willst!

Dienstag, 10. Februar 2009

Kunst ist ...

Na, R., wieder lebendig? Oder doch nur untot?

Also Kunst. Kunst ist Welterweiterung kraft der Denkbarkeit des Unmöglichen im Rahmen des Möglichen.
Jetzt Du.

Gruß, M.

Montag, 9. Februar 2009

Mhuaaaaah

Grüße vom untoten Reinhard. Die Sonne scheint widerlich vom Himmel, weswegen ER sich im formschönen Mahlsdorf in einem Gebäude verkrochen hat. Das einzige Manko dieser Gruft besteht darin, dass der UntoR sein Mobiles Terrorgerät (MT) bzw. Heuchlerisches ANteilsnahmevortäuschgerät der DÜsternis (HANDÜ) in seinem Schädelturm (gemütliche Drei-Zimmer-Wohnung im grässlich hellen Lichtenberg) gelassen hat und deswegen den Telefon-Terror in Deine Wohnung tragen wird! Also, wenn Du heute eine Stimme hörst, die Dich auf widerwärtig-süßlich-falsche Weise fragt Was kann ich für dich tun?! ist vielleicht der UntoR dran ...

Mhuaaaaah

R.

Kai aus der Kiste

oder Reinhard aus dem Sarg: auferstanden von den Toten, einer ungewissen strahlenden Zukunft zugewandt. Sei doch nicht eingeschnappt, weil Reinhard schweigt oder dichte gar Abgesänge - es sei denn, es macht Dich glücklich. Mehr Glück für alle! - So, fünfzehn Minuten sind um. (K)Ein Witz, eventuell glücklich.

Und mehr Bier. Morgen etwa?!

You can't stop the blog, babe!

Bis bald Dein R.

Freitag, 6. Februar 2009

Wieder Eis-Blog

Mensch, R., nicht mal mein kleiner Abgesang trotzt dir Widerspruch ab. Schön und gut, du hast zu tun, so ein Konzept für ein Konzeptbüro frisst Zeit, das seh ich ein, aber ein Viertelstündchen am Tag müsste doch drin sein zum Schädellüften.

Die schlechte Nachricht: Meine Nichte ist krank. Die gute: Aufgrund der schlechten bin ich morgen Abend kurzfristig vom Babysitten freigestellt und kann Euch also meine Aufwartung machen. Freu mich drauf, bis dann:

Dein M.

Dienstag, 3. Februar 2009

Abgesang

Lieber R.,

es schleift. Es schnieft. Es schneite. Unsere Tage sind vollgeschnauft. Und was wir uns zu sagen haben, sagen wir uns abends offline. Was soll's? Ruh' sanft, kleiner Blog. Schön war die Zeit mit dir. Vielleicht wecken wir dich eines Nachts wieder auf.

Auch Dir, lieber R., einen guten Schlaf wünscht:

M.