Montag, 21. September 2009

Lieber M. von H. aus B. an der S.,

Getreu dem wieder eingeführten Blogging-Motto erzähl ich Dir was von meinem Tag, genauer dem Abend. Ich war nämlich (mit Silke) im Kino (Babylon) - Schande hieß der Film (Literaturverfilmung, Buch kenn ich aber nicht), Hauptdarsteller John Malkovitch.
Vorneweg: der Film gefiel mir nicht. Was nicht heißt, dass er nicht gut war. Er gefiel mir nicht, weil er mir bei aller Allegorie recht realistisch schien und mir die (dort dargestellte) Realität nicht gefiel. Der Film gefiel mir so sehr nicht, dass ich Dir von ihm erzählen muss, Dir aber nicht rate, ihn Dir anzusehen.
Südafrikanischer Literaturprofessor (weiß, musisch interessiert, Schwerpunkt Romantik - Byron), sozial leicht vereinsamt (hat zumindest mulattische Lieblingsnutte) und (ziemlich) reflektiert triebgesteuert, beginnt Affäre mit (mulattischer) Studentin. Verführung (?), Missbrauch (?) - "Skandal" jedenfalls. Reue keine, Berufsende (leichte Langeweile) schon. Er fährt daraufhin zu seiner (lesbischen) Tochter, die irgendwo im Nirgendwo eine kleine Farm betreibt (Blumen und Gemüse). Mit einem schwarzen Farmer, der im ausgebauten Stall wohnt und bei ihr aus und ein geht. Sie ist auch leicht vereinsamt, denn ihre Freundin ist weg. Die in Südafrika allgegenwärtige Gewalt ist ein Thema, aber sie hat Hunde und ein unbenutztes Gewehr. Und eine ältere (Nur-)Freundin, die eine Tierklinik betreibt, Schwerpunkt auf schonendem Einschläfern von Hunden.
Dann kommen drei nette junge Schwarze vorbei, die nur mal telefonieren müssen. Sie dringen ins Haus ein, schlagen den Professor KO und sperren ihn auf dem Klo ein, vergewaltigen die Tochter (wird nicht gezeigt), erschießen die Hunde (wird halb gezeigt) und übergießen den Vater mit Sprit und zünden ihn an (wird gezeigt). Zum Glück ist da ja das Klo. Der schwarze Mit-Farmer ist irgendwie gerade nicht da.
Dann kehrt fragile Normalität ein. Bis auf der Hochzeitsfeier des schwarzen Mitfarmers einer der drei Täter (sehr jung) wieder auftaucht. Farmer weiß von nichts, Tochter will nicht, dass Vater die Polizei ruft. Will auch nicht weg von der Farm (quasi vertrieben werden). Vater bleibt bei ihr, hilft in Tierklinik, beginnt schließlich Affäre mit Nur-Freundin (ganz und gar gegenseitiges Einverständnis, obwohl sie einen Mann hat). Die rät ihm dann, für eine Weile zurück nach Kapstadt zu gehen.
Professor/Vater/Malkovitch entschuldigt sich bei Familie der Studentin. Will die Studentin aber dennoch wiedersehen und wird verjagt (aus Theaterstück mit gemischtrassigem Friseursalon). Sucht sich kurz neue (schwarze) Nutte. Fährt dann zur Farm zurück. Dort stellt sich auf einmal heraus, dass der junge Vergewaltiger ein Verwandter (Bruder der Frau) des schwarzen Farmers ist. Und seine Tochter schwanger (will das Kind behalten - Streit und Dialog über Männer-Vorlieben folgt). Und der Farmer sie (anstelle? Josephsehe?) heiraten will - ihr Land wird auf ihn überschrieben, dafür schützt er sie, Tochter will einwilligen. Vater überrascht jugendlichen Täter beim Spannen und verprügelt ihn. Tochter geht halb entblößt dazwischen - Täter randaliert hilflos im Gemüsebeet und heult, sie würde sie alle töten. Vater und Tochter stellen fest, dass das Ganze etwas Würdeloses hat, so wie das Einschläfern von Hunden. Beide vertragen sich zumindest miteinander. Ende.
Der Film ist als Allegorie natürlich großartig und eine Parabel auf das neue Südafrika nach der Apartheit. Das Alte und das Neue, die "Rassen", Schuld und Reue, Macht und Machtlosigkeit, Trennung und Zusammenhalt - alles sehr reich und mit guten Tempowechseln erzählt (die Zusammenfassung ist natürlich stark verkürzt). Gute, glaubhafte Darsteller. Und trotzdem oder gerade deswegen grausig. Es gibt keine Sympathieträger, nur lauter (in ihrer Normalität seltsamen) Leute. Es gibt keine Veränderung (zum Guten). Nur Anpassung an Die-Welt-Die-Ist.
Der Film ist, glaube ich, gut. Er gefiel mir kein Stück.
Dein Being-Reinhard-Kruska (ist (auch) eine filmische Anspielung)

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