Lieber weltweißer Reinhard,
also gut, da schreibst Du nun gegen die Simplifikation der Massenmedien an, dies allerdings gegenüber einem, der 1.) selbst ein Teil der Massen ist und irgendwie sogar der Medien und 2.) in Sachen Afrika ein wahrlicher Ignorant.
Ich bin beeindruckt ob Deines abermals überwältigenden Wissens über Vorgänge, die sich jenseits meines Horizonts vollziehen. Nigeria, das gebe ich zu, ist für mich so weit entfernt wie Mittelerde. Ahnend, dass die Konflikte da wie dort mich womöglich mehr betreffen, als mir bewusst ist, kann ich davon doch wenig spüren. Es ist wie mit dem berühmten Sack Reis, der in China umkippt.
Die einen nennen es Dummheit, wenn einer nur vor der eigenen Haustür kehrt, die anderen Weisheit. Wenn Du wüsstest, wie viel Schmutz unter meinem Abtreter liegt!
Afrika: Wie kommt es, dass Dich das interessiert? Wie bist Du überhaupt auf die Idee mit der Themenwoche gekommen? Abgesehen von Salif Keita, Chibuike Okeke und dem Gatten der Tochter der Schwester meiner Großmutter (und dessen Kindern Achmed, Ame und Amana) ist der einzige dunkelhäutige Mensch, der in meinem Leben eine gewisse Rolle gespielt hat, mein einstiger Ferienlagerkumpel Yallah Lehmann. Der war im Februar 1990, mit 14, schon 1,90 groß und 100 Kilo schwer und trug als erster Kaulsdorfer eine grüne Bomberjacke.
Die Wette, ob er es schaffen würde, einen ganzen Teller voll scharfer Pepperoni zu verschlingen, ohne dabei etwas anderes essen oder trinken zu dürfen, gewann Yallah im Sommer 1989 zwar roten Kopfes (das Verfärben war beeindruckend), aber souverän. Vom beachtlichen Gewinn kaufte er sich im ostpolnischen Grodek, wo sich unser Ferienlager befand, ein paar neongelber Adidas-Turnschuhe für, so gibt es meine Erinnerung zu Protokoll, umgerechnet mehrere Hundert Mark Ost.
Yallah behauptete sich dann noch eine zeitlang in Kaulsdorf, war sogar Stammgast der berüchtigten MZG gegenüber des S-Bahnhofs, wurde von seiner Mutter aber nach einigen schwerwiegenden Verletzungen, Morddrohungen und wiederholten Anschlägen auf die gemeinsame Wohnung nach München geschickt. Was dort aus ihm geworden ist, weiß ich nicht. Ich nehme an, dass er nicht nach Afrika emigriert ist.
Nun gut, hier kräht ein Kind - und der alte Europäer ist müde.
Grüße an Rainer Maria Rilke, Reinhard, Barack und Silke
vom schlicht schwerlich schwarzen M.
PS: Ich fühl mich schlecht, wenn ich dies schreibe, aber Du wolltest es so: Wenn man das "das" als Relativpronom verwendet, ist ein zweites "s" am Ende nicht nur entbehrlich, sondern schlichtweg überflüssig. Wenn man dies zwei Mal in einem Eintrag falsch macht, ist es kein Tippfehler mehr, sondern eine kleine Schwäche wider besseres Wissen, die es auszumerzen gilt.
PPS: PS bitte löschen, sobald korrigiert.
PPPS: Du kannst mich jetzt entweder umbringen oder mir sämtliche eigenen Fehler in einem überlangen Posting auflisten, worauf ich zu verzichten bitte.
PPPPS: Gute Nacht.
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1 Kommentar:
Na gut, zweimal dassssssss ist wirklich viel in einem Text. Habs korrigiert, kann Dein PS aber logischerweise nicht löschen, Herr Administrator!
Morgen mehr Afrika! Heute mehr Schlaf! (Du weißt ja, dassssssss ich ihn mag.)
Reiner Liebhard
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