Lieber Nitznutz,
vor der eigenen Haustür zu kehren, ist gewiss löblich. Sich nicht für Afrika zu interessieren, ebenfalls. Und, sozusagen in einem Abwasch, gleich noch auf den Langeweilismus der Kinesen hinzuweisen, ist schlichtweg brilliant. Weiter so!
Andererseits: farbige Fußballer des einzigen und wahren Ersten und Letzten FC Union Berlin anzuführen, ist überzeugend. Und den ersten farbigen Skin von ganz Kaulsdorf persönlich kennengelernt zu haben, macht Dich ab sofort zu meinem persönlichen Afrika-Experten NUMBER ONE! Von Dir und dem Leben sollten die Herren Afrikanisten lernen tun, anstatt aus ihren verstaubten Wälzern. Auch weiter so! Die Indifferenz, äh, Omnipotenz Deines Geistes prädestiniert Dich, meiner bescheidenen Meinung nach, für eine Führungsposition im UN-Sicherheitsrat, wenn nicht gar im IOC.
Wie ich nun auf Afrika komme?! - Nun, eher durch die Aktualität der Ereignisse, Randale, Völkermorde und so, als durch einen wahren Herzensbezug wie den Deinen. Ich habe keine ebenhölzernen Dildos zuhause rumstehen, mag keine Süßkartoffeln und habe Zeit meines Lebens ganze zwei Schwarze persönlich kennengelernt (was man so Kennenlernen nennt). Der eine hieß Cyril und war ein früher Freund meiner Schwester, die andere war eine Partybekanntschaft in Wuhletal. Sie-Deren-Namen-Ich-Nicht-Mehr-Weiß war Anfangs etwas reserviert, weilt sie alle Hellersdorfer für Nazis hielt, zeigte sich im Laufe des Abends aber zunehmend anschmiegsamer (dassss sie dann zu früh ging und ich den restlichen Abend bzw. bzw. Nacht bzw. Morgen bei einer überall weißhäutigen Dame landete, an deren Namen ich mich sehr wohl erinnere, ist eine andere Geschichte). Mein Interesse ist also eher ein allgemeines. Aber apropos ich und die Herren Afrikanisten ohne lebensechte Afrikaerfahrung: der heutige Post ist unserem werten Mittipper Lumumba und dem Kongo gewidmet.
Der Kongo (Demokratische Republik Kongo, zwischendurch auch mal Zaire geheißen) hat einige Gemeinsamkeiten mit Nigeria, nur ist er in fast jeder Hinsicht noch krasser (zum Vergleich zusätzlich die Werte der BRD - wegen der Haustür und so):
Größe (in Mio qkm): Nigeria 0,923, Kongo 2,345, Deutschland 0,357
Einwohner (in Mio EW): Nigeria 140, Kongo 66,5, Deutschland 82,2
EW pro qkm: Nigeria 152, Kongo 24 , Deutschland 230
Größte Stadt (in Mio EW): Lagos (Nigeria) ca. 11, Kinshasa (Kongo) 8,1, Berlin (Deutschland) 3,4
BIP pro EW (in $): Nigeria 824, Kongo 166, Deutschland 40.415
Lebenserwartung (m/w in Jahren): Nigeria 51,3/51,7, Kongo 49,7/52,3, Deutschland 76,6/82,1
Also: auch so ein (eventuell) nach einem Fluss benanntes Postkolonialkonglomerat ohne natürliche Geschichte oder ethnische Homogenität, nur dassss diesen Falls die Belgier die erhabenen weißen Herren waren. (Warum die Belgier? - Weil "Ol' Bizzy" von und zu Bismarck das Ländle weder den Engis noch den Franzis gönnte und es deshalb in dem in Berlin 1885 ausgehandelten Kompromiss an den belischen König als Privatbesitz fiel, als Datsche quasi! 1908 übernahm nach den "Kongogräueln", Gewaltexzessen, die selbst für den Imperialismus einzigartig krass gewesen sein müssen, der belgische Staat.) Das Ding ist also riesengroß, dünn besiedelt (kein Wunder bei all dem Dschungel), allerdings mit einigen überbevölkerten Slums, bitterarm - und reich an Bodenschätzen. Nur in diesem Fall weniger Erdöl als Kupfer in riesigen Mengen (zweitgrößtes Weltvorkommen, glaube ich), Gold, Diamanten und seltene Metalle: Cobalt, Tantal, Niob. Die beiden letzteren gibts in Form von Coltan-Erz, von dem Du vielleicht schon gehört hast. Gerade Tantal ist sehr selten und sehr begehrt, weil es in jedem (modernen) Handy steckt.
Das Coole am Thema Kongo ist, dass man gleich die Massaker und Völkermorde in Uganda (Diktatur Idi Amins mit 300.000 Toten, bis heute Bürgerkrieg), Burundi (Tutsi brachten in den 1972 300.000 Hutu um) und Ruanda (Hutu brachten in 1994 minimal 800.000 Tutsi um) mit abhandeln kann, weil diese Länder im Osten an den Kongo grenzen und munter mitmischen, besonders weil gerade nahe der Grenze das Coltan lagert. Im Ostkongo gibts gerade wieder mal Krieg, in dem eine "Rebellen"-Armee (Tutsi-Miliz) sich die Kontrolle über die Rohstoffe (Coltan für Handys, Kinder für Dienst an der Waffe und unter den Bewaffneten) krallen will.
[Ich möchte natürlich für den Fall um Entschuldigung bitten, dassss die Tante eines der Opfer besagter Armee eine Muslima ist - dann wären die Opfer natürlich keine solchen, sondern vielmehr Terroristen und die Sache sicher gerecht. Sollte sich aber wiederum herausstellen, dassss einer dieser Terroristen eine jüdische Tante hat, möchte ich meine Bitte um Entschuldigung wiederum sofort zurückziehen und noch viel mehr betroffen sein.]
Als ob der Kongo extra die Hutu und Tutsi von nebenan brauchen würde! (Zu den hellhäutigen Herrenvölkern - Fulbe in Nigeria, Tutsi in Ruanda und Burundi - und deren Einsatz als imperiale Handlanger im Kolonialismus gibt es Interessantes hier. Viele der afrikanischen Probleme sind auf europäischem Mist gewachsen, auch auf deutschem. Egal wen die Anderen gehabt haben mögen, wir hatten Hänge-Peters - übrigens der Begründer Deutsch-Ostafrikas, zu dem Ruanda und Burund
i gehörten. Wurden nach dem Ersten Welkrieg dann passenderweise beide belgisch.)
i gehörten. Wurden nach dem Ersten Welkrieg dann passenderweise beide belgisch.)Unser Freund Lumumba ("Aufrührischere Massen" - nettes aka für einen verurteilten Knasti, war aber nur Unterschlagung bei der Post) etwa kam so ziemlich aus der Mitte. Ist als Panafrikanist (so sagt man jedenfalls - keine Gewähr meinerseits, evtl. Robert fragen) und Unabhängigkeitsführer 1960 erster Premier geworden (den Belgiern wurde es 1959 zu unruhig), mit 34 (!). Hat allerdings dann weder ein Jahr regiert noch gelebt. Wurde von einem parteiinternen Rivalen an einen Sezessionistenführer namens Tschombe ausgeliefert, gefoltert und umgebracht.
Sorry, muss jetzt aber sChluss machen, nächstens mehr,
R.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen