Mittwoch, 3. Dezember 2008

Tschakka

Tschakka, mein M., Pause im Post, wa?!

Willkommen zu unserer Afrika-Woche, Thema: Afrika, Dauer: Eine Woche.

Der Afrikaner an sich heißt ja bekanntlich auch Schwarzer, weshalb sich ein Land zum Einstieg förmlich anbietet, das Nigeria heißt - Land des Schwarzen (niger - schwarz [lat.] + ia als Landessuffix wie in Germania: frag mich mal, warum das Teil nicht Nigery oder besser noch Blacky heißt, war ja 'ne englische Kolonie! Ok, gibt da auch noch 'nen Fluss namens Niger, aber der Einwand bleibt der selbe.) Da war auch neulich echt was los! In Jos, was so ziemlich die zentralste Stadt in Blacky ist ('n bisschen Bergbau solls da geben, war persönlich aber noch nicht da), gabs große Bambule. Christen und Moslems gingen sich da an die Gurgel, so habens zumindest unsere Massenmedien kolportiert, viele Tote kamen bei raus. Ist, könnte man jetzt sagen, ja nichts Ungewöhnliches, Heiliger Krieg, Clash of Cultures, Fundamentalismus und sowieso Afrika und so. Aber hier nun mein Einwand gegen das übl(ich)e Infotainment in Form einiger Informationen, von denen ich nicht weiß, ob Du über sie schon verfügst:

1. Nigery ist ein rein künstliches postkoloniales Gebilde, das von sehr verschiedenen Stämmen bzw. Stammesgruppen bewohnt wird. Sind zwar alles Schwarze, aber sonst nicht unbedingt näher bekannt oder verwandt. Die wichtigsten Stämme im Norden sind die Haussa und die Fulbe, die wichtigsten Südstämme die Yoruba und die Ibo. Die Fulbe hatten ab dem Beginn der Neuzeit etliche Kleinstaaten entlang der Sahel-Zone (inkl. Nord-Nigery), weil sie gefürchtete Krieger waren und sich wegen ihrer helleren Haut für was Besseres hielten. Später eroberten dann die Briten, die noch besser(bewaffnet)e Krieger waren und sich mit ihrer noch helleren Haut für was noch besseres hielten, mit Hilfe ihrer Haussa-Hilfstruppen einige dieser Staaten. Den Süden hatten sie schon ein bisschen früher erobert und vorher als Sklavenfangareal genutzt. Die Yoruba waren nämlich nie sehr kriegerisch, sondern relativ kultiviert (zumindest vor Ankunft der Weißen), sogar mit eigenen Pyramiden und so. Und die Ibo hatten schon in den Sechziger/Siebzigern mal die Idee, Blacky auf eigene Faust zu verlassen. Im Norden gibts nämlich hauptsächlich Steppe und Erdnüsse, im Süden aber Dschungel - und Erdöl. War ein schmutziger kleiner Krieg, der sogenannte Biafra-Krieg, weil die Ibo "ihr" Erdöl nämlich richtig alleine ausbeuten wollten, nicht nur ohne ihre nördlichen Nachbarn, sondern auch ohne die Öl-Multis aus good ol' anglia.

2. Bekanntermaßen breiten sich (zumindest in den letzten 500 Jahren) die großen mono-göttlichen Religionen immer nur auf Kosten von Heiden oder Atheisten aus (so sie sich denn ausbreiten), nie aber auf eigene Kosten. Will meinen: die islamische Mission kam von Norden aus dem Maghreb, die christliche aus dem Süden übers Meer. Zwar konnten die bleichen Fulbe die Haussa bekehren und die bleicheren Briten die Yoruba (beide Völker waren zuvor Animisten, also "Heiden"), dann aber war Schluss und die Front geklärt. Jos wiederum ist eine echte Frontstadt, weil so ziemlich alle Stammesgebiete - und damit auch beide Religionen - zusammenstoßen. Damit läufts aber so ziemlich auf einen Nachbarschaftskonflikt hinaus. Unsere letzten Nachbarschaftskonflikte hatten wir 1914 - 1919 und 1939 - 1945, jedesmal mit den frechen Franzosen, den blöden Belgiern, den Holländern (die brauchen kein Attribut) und den peinlichen Polen zugleich. (Nur mit den obszönen Österreichern hatten wir seit 1866 nichts mehr und über schwule Schweizer red ich gar nicht erst.) Wohl dem, der wenige Nachbarn hat! Deshalb fand ich wahrscheinlich auch Neuseeland in meinen Jugendphantastereien so toll.

Also zu sagen, dass sich in Jos Christen und Moslems an die Gurgel gingen, ist richtig. Allerdings in einem Sinne richtig, als ob man ein antisemitisches Verbrechen begeht, wenn man Maxim Biller die Brille von der Nase haut. Schlimm, so was! Wenn das die ganze Woche so geht, kann ich mich von meinem guten, politisch korrekten Ruf wohl verabschieden. Und das alles nur wegen Afrika!

R.

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