Mittwoch, 19. Mai 2010

Peter an Arno

Verehrter Kollege,

nach unserem montäglichen Simpeln habe ich gestern ein wenig geblättert und bin hier und da fündig geworden in Sachen Hacks über Schmidt. Die früheste Fundstelle, darin im Grunde alles schon enthalten ist, datiert vom 16.4.1960, ein Brief:

Sehr geehrter Herr Schmidt, ich hatte das Vergnügen, die meisten Ihrer Bücher zu lesen, und ich hatte die Ehre, mit Ihrem Herrn Schwager im Auto zu fahren; und ich habe also das Bedürfnis, Sie von meiner Existenz in Kenntnis zu setzen und Ihnen ein paar Komplimente zu machen. Tatsächlich sind Sie der einzige Schriftsteller in Westdeutschland (und noch anderen Ländern), den ich gern lese. Sie sind ein lustiger Mann, und Sie wissen das. Und Sie sind möglicherweise der perfekteste unter allen Naturalisten; ich meine, Sie haben einige bleibende Mittel erfunden, um Unwesentliches literarisch zu formulieren. Diese Vorzüge sichern Ihnen meine Hochachtung. Ich wünschte natürlich, Sie würden sich mit gleichem Eifer und Erfolg um die wichtigen Gegenstände dieser Welt bemühen. Aber vermutlich haben Sie keine Lust dazu, und ich muß hier nicht davon reden. Ich erlaube mir, Ihnen meine ersten drei Stücke zu schicken; die letzten sind noch kein Buch. Es wäre hübsch, wenn Sie sie mögen. Sehr schöne Grüße, Ihr Peter Hacks

Was Hacks mit seinem Wunsch meint, steht in André Müller seniors (er spielt für seinen Freund den Eckermann) "Gesprächen mit Hacks", 3./4. Februar 1981:

Als wir auf Arno Schmidt kommen, sagt Hacks: "Im Grunde ist er ein Bürger, der inmitten des Imperialismus an Anstand und Vernunft festhalten will und dabei, da er den Marxismus verschmäht, in die kindlichsten Posen hineinmuß. Aber wie ihm ist es eigentlich vielen ergangen."

Ganz nett ist des Weiteren eine Stelle aus einem Brief an Karasek, 12.12.1965:

Wieso gilt ein mediokres Talent wie Herr Grass bei Ihnen als Papst der Epik, während Arno Schmidt seit guten zwanzig Jahren in der Ecke stehen muß, zur Strafe dafür, daß er deutsch kann?

Ähnlich eine kurze Passage aus Hacks' "ästhetisch-ökonomischen Fragmenten", Haupttitel "Schöne Wirtschaft":

Wieviel Arbeitszeit steckt in der Arbeitszeit? Machen 2 Schiller einen Goethe? 4 Uhlands einen Heine? Wieviel Grasse machen einen Schmidt?

Nun ja, und so weiter, da gibt's schon noch einiges Hübsches, aber ich beabsichtige nicht, Dich zu langweilen.

Viel Vergnügen beim Fremdtrinken wünscht ergebenst

Dein M.

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