Samstag, 14. Februar 2009

Rückzugsgefechte

Lieber M.,
von wegen Bittendes Kind - eher Renitentes Gör. Selbstverständlich hast Du recht - Kunsttheorien gibt es wie Sand am Meer, und an etlichen ist ETWAS dran. Die Frage war doch aber, dachte ich, welche WIR aufstellen und gegen die Vernunft, die Unvernunft und ALLE ANDEREN mit Zähnen und Klauen verteidigen. Oder nicht?!? Bevor Du also derlei unwidersprechliche Weisheiten postest, bleib lieber bei Deiner romantisch angehauchten Sicht. Denn Kunst sollte wirklich die Saat der Weltenveränderung in sich tragen; auch wenn ich bezweifle, dass sie in diesem Punkt je so wirksam war wie die allerkleinste Ökonomie. Widersprich mir, bitte!
IM ÜBRIGEN: Das Urteil, ob Du Romantiker seist, wurde noch nicht gesprochen, jedenfalls nicht von mir.

Bliebe noch die Sache mit dem Kunsthandwerk: In dem Russen-Buch, das Du mir borgtest, wurde unter der russischen Schule beschrieben, dass die Schüler erst einmal die Technik lernen müssen, bevor sie sich von ihr abwenden - bzw. SIE ÜBERSCHREITEN - dürfen. In diesem Punkt bin ich Russe. Genie hin, Genie her - alle bedeutenden Werke wurden von Menschen geschaffen, die Schreiben, Musizieren, Malen gelernt hatten. Keines von Rilkes Sonetten an Orpheus hielt sich an die Schablone, aber eben nicht aus Dilettantismus, sondern aus Kalkül. Poetischer gesagt: die starre Form konnte seine Sprache nicht halten, und doch wählte er gerade sie zum Anker. Und Mozart lernte, Klavier zu spielen, bevor er richtig laufen konnte.
Und doch ist natürlich nicht jeder Schreiberling ein Künstler. (Wenn Du mir nicht glaubst: Auch Reinhard hat Sonette geschrieben. Doch genug gefrotzelt.) Im Reflektieren, im Umformen, im Transzendieren scheiden sich die Geister - denke ICH. Vielleicht sogar in der Absichtslosigkeit, im Inkauf-Nehmen des Scheiterns - sofern die kommerziale Absicht die Kunst überhaupt verfälschen kann. Ich glaube, dass Kunst zuerst Kunst sein muss, auch wenn sie dann kommerziell erfolgreich ist; vielleicht ist kommerzieller Erfolg dann sogar ein Qualitätsmerkmal unter vielen, da er für die WIRKUNG der Kunst als Gradmesser dienen mag. Kunst wir ja nicht vom Erfolg verdorben, sondern von der kommerziellen ABSICHT, unter der sich künstlerische nicht mehr entfalten kann. (Dieses Phänomen ist in meiner oft bemühten Referenzklasse, der Formel-Literatur, besonders gut zu sehen, insbesondere bei vielen "Bestsellern" (ist der Mensch so geschmacklos...) mit Ansage. Das sie damit langfristig ihrer Kunst schaden, verstehen diese Herren und Damen Huren nicht. Aber die Maximen nachhaltigen Handelns sollten eben nicht nur für Bauern gelten.)
WIEDERMALSO!
dER uNTOr

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