Donnerstag, 24. Februar 2011

Google Mappus

Freundchen, Du weißt wohl, dass ich da am Montag hinfahre, nach Baden-Württemberg, zu jenem ausgemachten Freund der Phantastik, über den wir gelegentlich sprachen und von dem ich Dir folgende Sätze aus einem Interview (nicht mit mir) nicht vorenthalten will:

Was ist das denn eigentlich, Fantasy, im Gegensatz zu den beiden anderen Untergattungen der heutigen Phantastik, Horror und Science Fiction? Fantasy ist diejenige Literatur, die sich mit den Gesetzen, Konsequenzen und Implikationen des magischen Denkens beschäftigt. Das magische Denken - Analogien, Totem, Tabu, Fetisch, Übernatürliches etc. - interessiert mich jedoch viel weniger als das wissenschaftliche - Induktion, Deduktion, Hypothesenbildung, Occams Rasierklinge etc. pp. Das heißt nicht, dass in der Science Fiction, der ich meine Bücher zurechnen würde, nichts passieren darf, was in Wirklichkeit unmöglich ist. Das heißt nur: Die Logik, die diese in solchen Büchern vorkommenden unmöglichen Dinge in eine Kette von Ursachen und Wirkungen einordnet, ist nicht die von Vergleichen und Symbolen und sochen Denkfiguren aus dem Fantasy-Bereich, sondern die Logik von Beobachtungen und daraus abgeleiteten, jederzeit korrekturfähigen logischen Schlüssen.
Gemeinsam haben die beiden Gattungen allerdings, dass sie versuchen, vollständige Welten zu suggerieren (nicht zu "erschaffen", das geht ja nicht, das sagt man nur manchmal als größenwahnsinniges Kürzel so daher).

Phantastische Welt, die ist! Morgen ist Fußball. Ich geh hin. Du?

Na dann, bis dann, M.

Sonntag, 20. Februar 2011

Kleiner Gag aus BW

Hi Martin,

so für zwischendurch:




Bis nachher
Reinhard

Freitag, 4. Februar 2011

Geht doch

noch mit dem Blog - im Zuge allgemeiner Verunsicherung hatte ich die falsche Mail eingegeben. Hm, war auch eine kurze Nacht.
Besides:
Alter Job:
Neuer Job:
Hm. Shit happens.
Bis später
Reinhard

Dienstag, 12. Oktober 2010

Grüße zum Ostseestrand oder nach unbekannt

Hallo Martin,
hab irgendwie vergessen, wo du gerade bist. Immerhin was mit Urlaub, deucht mich. Glückwunsch dazu!
Ein bisschen müde und ein bisschen überarbeitet bist du ja auch (gewesen?). Und vielleicht ein bisschen verkatert? Das hätte was.
Nu ja, eigentlich sollte hier Lyrik stehen, aber die ist leider auf dem anderen Rechner (und das Original-Papier liegt auch zu Hause). Daher für jetzt nur ein kurzer Gruß nach langer Blog-Abstinenz und bis bald
Reinhard & Die Sonne aus seinem Gemüt

Sonntag, 6. Juni 2010

Funktionsunlust

Hallo Mart,

viel habe ich dem neulich in der Tagung Gesagten nicht hinzuzufügen. "Funktionslust" ist ein Begriff der primär aus der Entwicklung der kindlichen Psyche stammt. Er wurde tatsächlich von Bühler geprägt, wenngleich das Phänomen, auf das sich der Begriff bezieht, auch von anderen Psychologen (im weitesten Sinne) bwschrieben wurde, inklusive Freud.

"Funktionslust" lässt sich als Freude am Spiel bzw. Lustgewinn beim Gelingen einer Tätigkeit beschreiben (natürlich nicht definitorisch genau - aber darum ging es ja, glaube ich, auch nicht). Beispiele sind die dir sicher noch vertrauten Hier-Da-Spiele bei Kleinkindern, die Steckspiele (Gegenstand muss in passendes Loch) - oder auch das Fahren auf Dreirädern usw.
Beim Gelingen derlei Tätigkeiten (Gegenstand kommt immer wieder zurück, Dings passt in Loch, Füße können mehr als nur laufen) setzt die Freude darüber ein.
Mir scheint wahrscheinlich, dass der "Erstgenuss" der intensivste ist und mit der Zeit nach lässt. Du und dein Garten wissen wahrscheinlich, wovon ich rede. Deswegen ist das Phänomen wohl auch bei Kindern ausgeprägter.

Inwiefern der Begriff in den großen psychoanalytischen Kanon gehört, ist etwas schwieriger zu beantworten. Der Lustgewinn entsteht aber offensichtlich bei nicht-sexuellen Tätigkeiten, wäre nach Freud also ein Beispiel für sublimierte Triebenergie - ein sehr frühes. Jung hingegen würde es wahrscheinlich als Libido-Besetzung einer nützlichen Funktion interpretieren - Spiel ist in der Natur ja immer auch Training.

Nun ja, ich hoffe, das hilft - bis vielleicht Dienstag

Reinhard

Mittwoch, 26. Mai 2010

???

Verehrter Psycho (in spe),

ich suche Aufschluss über den von Karl Bühler geprägten Begriff "Funktionslust" und hoffe, ihn bei Dir zu finden. Can you help?

Danke, Dein verriegelter M.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Peter an Arno

Verehrter Kollege,

nach unserem montäglichen Simpeln habe ich gestern ein wenig geblättert und bin hier und da fündig geworden in Sachen Hacks über Schmidt. Die früheste Fundstelle, darin im Grunde alles schon enthalten ist, datiert vom 16.4.1960, ein Brief:

Sehr geehrter Herr Schmidt, ich hatte das Vergnügen, die meisten Ihrer Bücher zu lesen, und ich hatte die Ehre, mit Ihrem Herrn Schwager im Auto zu fahren; und ich habe also das Bedürfnis, Sie von meiner Existenz in Kenntnis zu setzen und Ihnen ein paar Komplimente zu machen. Tatsächlich sind Sie der einzige Schriftsteller in Westdeutschland (und noch anderen Ländern), den ich gern lese. Sie sind ein lustiger Mann, und Sie wissen das. Und Sie sind möglicherweise der perfekteste unter allen Naturalisten; ich meine, Sie haben einige bleibende Mittel erfunden, um Unwesentliches literarisch zu formulieren. Diese Vorzüge sichern Ihnen meine Hochachtung. Ich wünschte natürlich, Sie würden sich mit gleichem Eifer und Erfolg um die wichtigen Gegenstände dieser Welt bemühen. Aber vermutlich haben Sie keine Lust dazu, und ich muß hier nicht davon reden. Ich erlaube mir, Ihnen meine ersten drei Stücke zu schicken; die letzten sind noch kein Buch. Es wäre hübsch, wenn Sie sie mögen. Sehr schöne Grüße, Ihr Peter Hacks

Was Hacks mit seinem Wunsch meint, steht in André Müller seniors (er spielt für seinen Freund den Eckermann) "Gesprächen mit Hacks", 3./4. Februar 1981:

Als wir auf Arno Schmidt kommen, sagt Hacks: "Im Grunde ist er ein Bürger, der inmitten des Imperialismus an Anstand und Vernunft festhalten will und dabei, da er den Marxismus verschmäht, in die kindlichsten Posen hineinmuß. Aber wie ihm ist es eigentlich vielen ergangen."

Ganz nett ist des Weiteren eine Stelle aus einem Brief an Karasek, 12.12.1965:

Wieso gilt ein mediokres Talent wie Herr Grass bei Ihnen als Papst der Epik, während Arno Schmidt seit guten zwanzig Jahren in der Ecke stehen muß, zur Strafe dafür, daß er deutsch kann?

Ähnlich eine kurze Passage aus Hacks' "ästhetisch-ökonomischen Fragmenten", Haupttitel "Schöne Wirtschaft":

Wieviel Arbeitszeit steckt in der Arbeitszeit? Machen 2 Schiller einen Goethe? 4 Uhlands einen Heine? Wieviel Grasse machen einen Schmidt?

Nun ja, und so weiter, da gibt's schon noch einiges Hübsches, aber ich beabsichtige nicht, Dich zu langweilen.

Viel Vergnügen beim Fremdtrinken wünscht ergebenst

Dein M.